Den 125. Jahrestag der 1. Ausstellung der Künstlerkolonie feierten die Freunde der Mathildenhöhe mit einem festlichen Jubiläums-Dinner. Genau zum Geburtstag am 15. Mai wurde abends dort groß aufgetischt, wo man auch damals zur Eröffnung fürstlich speiste: im Restaurant oberhalb des Platanenhains. Vorbild war das originale Menü von 1901. Auf Möweneier und Schildkrötensuppe musste anno 2026 zwar verzichtet werden, aber ein 7-Gänge-Menü entführte im heutigen Cafè Restaurant Mathildenhöhe auf’s Köstlichste in die Zeit der Jahrhundertwende und die Esskultur unter Großherzog Ernst Ludwig.
Das exklusive Festmahl von und für die Freunde der Mathildenhöhe bildete am 15. Mai den Startschuss zu einer Reihe von Veranstaltungen, mit den Darmstadt 2026 das 125. Jubiläum der berühmten Künstlerkolonie und ihrer spektakulären Ausstellungen feiert.
„Eine ungeheure Menschenmenge umstand die Straßen durch welche sich der Trauerzug mit der Leiche Patriz Hubers vom Centralbahnhof aus bewegte.“ So schrieb das Darmstädter Tagblatt am 27. September 1902. Genau eine Woche nachdem sich der junge Mann, gerade einmal 24 Jahre alt, am Sonnabend, dem 20. September, in Berlin das Leben genommen hatte, wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in seiner Heimatstadt Mainz nur wenige Tage später zu Grabe getragen. Der Beerdigung wohnten von den „Darmstädter Sieben“ Christiansen und Behrens bei, hieß es in der zeitgenössischen Presse.
Patriz Huber gehörte 1899 zur ersten Generation, die Großherzog Ernst Ludwig in seine frisch gegründete Darmstädter Künstlerkolonie berief. Er entwarf Schmuck und Gebrauchskunst, überzeugte besonders aber als Möbelgestalter und Innenarchitekt. Er gehörte zu den überraschenden Entdeckungen der so aufsehenerregenden wie innovativen 1. Ausstellung der Künstlerkolonie von 1901. Nicht wenigen galt er als ein Künstler, der das Potential hatte ein zweiter Henry van de Velde zu werden.
Anlässlich des 125jährigen Jubiläums in diesem Jahr stellte Petra Wochnik, Vorsitzende der Freunde der Mathildenhöhe, am 24. April im Haus der Geschichte am Karolinenplatz in Darmstadt den bisher eher selten beachteten Künstler vor und legte den Schwerpunkt auf sein überaus dramatisches Ende. Viel Spannung bot der Stoff, den sie bei ihrer Recherche in der Staatsbibliothek zu Berlin in zahlreichen historischen Zeitungsartikeln aufgespürt hatte. Denn der Selbstmord Patriz Hubers war nur der Anfang einer viel größeren persönlichen Tragödie, die ein heftiges Nachbeben in der Berliner und Darmstädter Presse auslöste und weite überregionale Beachtung fand.
„Er hätte in Darmstadt bleiben sollen“, befand der Feuilletonist einer großen Berliner Zeitung damals. Warum blieb er nicht? Auch diese Frage wurde mit Blick auf die bekannt angespannte Gruppendynamik innerhalb der Künstlerkolonie und ihrer Protagonisten diskutiert.
Zum 20jährigen Jubiläum des Vereins in diesem Jahr gönnen wir uns eine kleine Verjüngungskur – und starten in die Saison 2026 mit einem neuen Auftritt im Internet. Wir haben uns bei unserem Facelift für ein farbenfrohes, leichtes Design entschieden mit einem neuen Logo und gleich drei Leitfarben, die uns die Mathildenhöhe förmlich auf den Bildschirm serviert hat: Türkisblau, Backsteinrot und Goldgelb.
Die Leitfarbe der Webseite ist abgestimmt auf die Farbgebung unseres Programmflyers, den wir zweimal im Jahr herausgeben, und der sowohl in gedruckter wie in digitaler Form regelmäßig erscheint. Los geht’s mit Türkisblau, der Farbe für das Frühjahr/Sommer-Programm 2026. Den aktuellen Programmflyer finden Sie nun direkt auf der Homepage. Deutlicher herausgestellt als bisher ist die Ankündigung des nächsten Termins im Kalender. So verpassen Sie keine Veranstaltung!
Ebenso wichtig wie die äußeren sind uns die inneren Werte der Internetpräsenz. So bekommen Sie etwa auf der Vereins-Webseite Informationen zum Stand unserer neuesten Projekte, mit denen wir den städtischen Denkmalschutz und das Institut Mathildenhöhe Darmstadt unterstützen, wie auch zu den vielen, die wir bereits erfolgreich abgeschlossen haben. Damit Sie auch wissen, warum es sich lohnt, bei den Freunden der Mathildenhöhe dabei zu sein, sei es als Mitglied oder mit einer Spende.
Es lohnt sich übrigens auch, weil wir einige Veranstaltungen exklusiv nur für Vereinsmitglieder anbieten. Oder weil Sie als Mitglied das ganze Jahr über kostenlos die Ausstellungen auf der Mathildenhöhe besuchen können. Auf unserer Webseite beziehen wir zudem öffentlich Stellung zu verschiedenen Fragen und Debatten rund um die Mathildenhöhe und weisen auf Missstände hin, wie beispielsweise aktuell zum zunehmenden Vandalismus.
Was gleich geblieben ist, ist unsere Interner-Adresse:
In einen besonderen Genuss kamen die Freunde der Mathildenhöhe gleich zu Anfang der Saison: Nikolaus Heiss und Renate Charlotte Hoffmann, unsere stellvertretenden Vorsitzenden, führten Mitglieder des Vereins exklusiv durch die beiden Mausoleen auf der Rosenhöhe, den großherzoglichen Grabstätten der Herrscherfamilie von Hessen und bei Rhein. Eine sehr seltene Gelegenheit, denn sowohl das Alte Mausoleum wie das Neue Mausoleum sind zur Zeit für öffentliche Führungen gesperrt. Wir haben es möglich gemacht. Am 14. Februar war die erste Führung, öffneten sich die schweren Türen der klassizistischen Gebäude mit den kostbaren Sarkophagen.
Vor dem Neuen (oben) und dem Alten Mausoleum (unten). Von der prächtigen Innenausstattung können wir leider aus rechtlichen Gründen keine Bilder zeigen, aber dennoch einen Eindruck vom einem einzigartigen Ausflug auf die Rosenhöhe in winterlicher Kälte vermitteln, der uns zu besonders schützenswerten, aber auch sehr gefährdeten historischen Schätzen Darmstadts führte.
Die Rosenhöhe wurde um 1817 im Auftrag von Großherzogin Wilhelmine vom Schwetzinger Gartenbaumeister Michael Zeyher im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet. Nach dem Tod ihrer geliebten Tochter Prinzessin Elisabeth ließ Wilhelmine nach den Plänen von Baumeister Georg Moller 1826 eine Grabkapelle, das Alte Mausoleum, im Stil des Klassizismus errichten. So entstand im nördlichen Teil der Rosenhöhe eine Ruhestätte für die Großherzogliche Familie. Heinrich Wagner erweiterte in den 1870er Jahren das Alte Mausoleum mit den beiden symmetrischen Seitenflügeln. 1905 bis 1910 plante Karl Hofmann im Auftrag des Großherzogs Ernst Ludwig westlich davon das Neue Mausoleum im „neoromanischen“ Stil. In dieser Grabstätte ist Großherzogin Alice gemeinsam mit ihrer Tochter Marie, ihrem Sohn Friedrich und ihrem Ehemann Großherzog Ludwig IV. beigesetzt.
Eine zweite Führung ist am Samstag, den 21. März, um 14 Uhr. Restplätze werden an Nicht-Mitglieder weitergegeben. Bei Interesse schicken Sie bitte eine Mail an: anmeldung@fdmh.de.
Der Geist des Aufbruchs am Anfang des 20. Jahrhunderts, der unbedingte Wille zur Erneuerung, der Wunsch nach friedlicher Koexistenz der Kulturen in aller Welt und nach gegenseitiger Inspiration macht die Welterbestätte Mathildenhöhe Darmstadt für die UNESCO zu einer Wegbereiterin der Moderne. Das ist nicht nur zu spüren in der Architektur, sondern insbesondere auch in der Gartenkunst und den Außenanlagen, die während der vier Ausstellungen der Künstlerkolonie von 1901 bis 1914 auf der Mathildenhöhe entstanden.
Christiane Geelhaar, ehemalige Bauoberrätin der Stadt Darmstadt und wieder im Vorstand unseres Vereins, präsentierte in einem Vortrag am 12. Dezember im Haus der Geschichte in Darmstadt die Ergebnisse ihrer jahrelangen Recherchen zu den neuen Wegen, die man um die Jahrhundertwende in Darmstadt, auf der Mathildenhöhe aber auch an anderen Orten bei der Gestaltung von Freiflächen beschritt. Neben dem Zusammenwirken von Joseph Maria Olbrich und Großherzog Ernst Ludwig richtete sie den Fokus auf das Wirken der Hofgärtner und der Gartenbaubetriebe mit ihren internationalen Verflechtungen sowie die Organisation in Olbrichs Atelier als Ausbildungsstätte und Talentschmiede.
Von der Mitgliederversammlung der Freunde der Mathildenhöhe wurde am 27. November 2025 Petra Wochnik als Vorsitzende des eingetragenen Vereins wiedergewählt. Renate Charlotte Hoffmann und Nikolaus Heiss wurden als stellvertretende Vorsitzende ebenfalls bestätigt. Das Amt des Schatzmeisters wurde mit Ullrich Engelbrecht neu besetzt. Neue Schriftführerin ist Stefanie Scholz-Willenbockel.
Als Beisitzer gewählt wurden Dr. Peter Engels, Christiane Geelhaar, Patrick Goll, Heike Jakowski, Hans Gerhard Knöll sowie Matthias Lothhammer, die zusammen mit Dr. Philipp Gutbrod vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt den Beirat bilden. Die Anzahl der stimmberechtigten Vorstandsmitglieder summiert sich somit auf insgesamt zwölf Personen. Petra Wochnik wurde ebenfalls als Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit bestätigt.
Die Geschäftsstelle des Vereins ist umgezogen in den Römheldweg 15, 64287 Darmstadt.
Nicht mehr zur Wahl kandidierte Dr. Claus Dieter Knöchel, der über viele Jahre die Geschäftsstelle geführt und als Schatzmeister wie auch als Verantwortlicher für die Webseite zentrale Funktionen des Vereins betreut hat. Ebenfalls aus dem Vorstand verabschiedeten sich die langjährig aktiven Mitglieder Heidi Kriegbaum, Elisabeth Müller-Klingenburg und Klaus Stolze. Die Freunde der Mathildenhöhe e.V. sind allen zu großen Dank für ihren unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz verpflichtet.
Die nächsten Vorstandswahlen finden im ersten Quartal 2028 statt.
Multimediale Raunkunst, die nachklingt | 27. November 2025 Die Mathildenhöhe war schon immer ein Ort, an dem Kunst, Design und Architektur, aber auch Musik, Tanz und Theater Zuhause war. In dieser Tradition steht ebenfalls die Ausstellung „Raise the Roof“, die noch bis zum 1. Februar 2026 Arbeiten der international renommierten Installations- und Performancekünstlerin Nevin Aladağ im zentralen Ausstellungsgebäude präsentiert.
Tradition hat mittlerweile auch, dass die Freunde der Mathildenhöhe ihre Mitglieder vor der jährlichen Hauptversammlung zu einer Führung vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt einladen. Die stellvertretende Direktorin des Hauses, Dr. Sandra Bornemann-Quecke, war als Kuratorin der aktuellen Ausstellung die kompetente Stimme für einen Rundgang, der alle Sinne berührte. Die Ausstellungshallen – ein großer Resonanzraum. Die Idee des Gesamtkunstwerks, die so prägend ist für die Mathildenhöhe, erfährt bei „Raise the Roof“ eine zeitgenössische Interpretation. Wenn Kunst und Musik eine kreative Allianz eingehen, Klangskulpturen erlebbar werden, dann gefällt das auch sichtbar den Freunden der Mathildenhöhe.
Weitere Informationen zur Ausstellung, Künstlerin und Konzept finden sich auf der Webseite vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt.
Dr. Sissy Geiger, die Gründerin und erste Vorsitzende unseres Vereins, ist am Sonntag, den 26. Oktober 2025, gestorben. Sie wurde 87 Jahr alt. In Betroffenheit und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von dieser für Darmstadt und die Mathildenhöhe so prägenden Persönlichkeit.
GESTALTEN SAGT MAN STERBEN HIN ENTSTAMMEN DEM WAS NICHT ERSTIRBT WAS UNERMESSLICH NIE VERSIEGT Schlaf – Mathildenhöhe Darmstadt, Platanenhain
Wir trauern um die große Visionärin der Darmstädter Mathildenhöhe, die Gründerin und erste Vorsitzende unseres Vereins. Ihr Herzenswunsch nach Anerkennung der Mathildenhöhe als UNESCO-Welterbestätte ist zu ihren Lebzeiten in Erfüllung gegangen. Darüber hatte sie sich außerordentlich gefreut. Die „Freunde der Mathildenhöhe“ verdanken ihr sehr viel. Sie bleibt für immer unvergessen.
Entdeckungstour von der Halle bis zum Dach | 15. Oktober 2025 Zusammen mit den für die Sanierung verantwortlichen Experten haben wir die größte der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Villen der Künstlerkolonie Darmstadt besichtigt: das Große Haus Glückert – von der Halle im Erdgeschoss bis ganz hinauf unter die Dachmansarde mit seinen atemberaubenden Stuckdecken, deren Restaurierung 2023 mit dem Denkmalschutzpreis des Landes Hessen ausgezeichnet wurde.
In der Halle erstmal Grundlagenarbeit für alle
Das Große Haus Glückert ist ein ausgesprochen seltener Schatz der Kunst- und Baugeschichte: Da es als einzige der Villen nicht als Wohnhaus genutzt wurde, sondern als Ausstellungshaus des Möbelfabrikanten und Hoflieferanten Julius Glückert, kann es uns heute beispielhaft die Entwicklung der Wohn- und Raumkultur zu Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen: Über drei Etagen wurden im Großen Haus Glückert der interessierten Kundschaft regelrechte Wohnwelten präsentiert: komplett eingerichtete Räume, in denen die ganze Vielfalt moderner Inneneinrichtung erlebbar war, beispielhaft gestaltet von den leitenden Architekten der Künstlerkolonie, Joseph Maria Olbrich und Albin Müller, sowie im Dachgeschoss von Johann Christoph Gewin.
Im Dachgeschoss geht der Blick nach oben
Dr. Jennifer Verhoeven, Landesamt für Denkmalpflege und Koordinatorin der UNESCO-Welterbestätten Hessen, und Olaf Köhler, Leiter des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege in Darmstadt, teilen auf der exklusiv für unseren Verein veranstalteten Führung ihr umfangreiches Expertenwissen. Ein besonderes Highlight war die gerade fertig gestellte Rekonstruktion des Ornament-Tableaus an der Rückfront des von Albin Müller gestalteten Schlafzimmers im Obergeschoss der Villa. Sie wurde durch die finanzielle Unterstützung der Freunde der Mathildenhöhe ermöglicht.
Ein großer Dank an die Experten! Wir haben viel gelernt!
Vom Schloss zum Goldenen Kreuz der Großherzogin | 21.9.2026 Für die erste Veranstaltung nach der Sommerpause zog es die Freunde der Mathildenhöhe an die Bergstraße, ins idyllische Jugenheim und dessen alles überragenden Heiligenberg. Dieser ist eng verwoben mit der Geschichte der Darmstädter großherzoglichen Familie seit Wilhelmine, Großherzogin von Hessen und bei Rhein, Gattin von Ludwig II., auf diesem eine Schlossanlage mit einem prächtigen Park errichten ließ.
Nonnenkloster, Sommersitz und Stammhaus der Mountbattens
Charmant geführt von Christina Braun von der Stiftung Schloss Heiligenberg Jugenheim streiften wir während des idyllischen Sonntagsspaziergangs nicht nur durch den bezaubernden Sommersitz der Großherzogin, sondern widmeten uns der gesamten, weit zurückreichenden Geschichte des Heiligenbergs.
Durch einen bereits zu Zeiten von Wilhelmine gepflanzten Laubengang führte der Weg zunächst zur Ruine des ehemaligen Klosters und zur uralten Zentlinde. Strahlendes Ziel unserer Gruppe: das Goldene Kreuz auf dem Heiligenberg, das auf dem Lieblingsplatz der Großherzogin nach ihrem Tod 1836 von ihren sie überlebenden Kindern errichtet wurde.
Wir kamen sogar hinein in die wunderbare Gedächtniskapelle und an das Grab von Prinz Alexander von Hessen und bei Rhein, dem Stammvater der später so berühmt gewordenen deutsch-britischen Adelslinie Battenberg-Mountbatten. Auch die verwandtschaftlichen Verhältnisse zum spanischen Königshaus wie zum Zarenreich werden sachkundig erläutert.
Ein herrlicher Blick auf die Rheinebene bot sich von der großen Terrasse mit seiner historischen Balustrade unter alten Linden. Nach einem Besuch des Museums im „Russenhaus“ ging es zum Ausklang in den malerischen Innenhof zu einem köstlichen Mittagessen bei Annettes Gastronomie im Schloss.