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Vortrag

Das viel zu kurze Leben des Patriz Huber

„Eine ungeheure Menschenmenge umstand die Straßen durch welche sich der Trauerzug mit der Leiche Patriz Hubers vom Centralbahnhof aus bewegte.“ So schrieb das Darmstädter Tagblatt am 27. September 1902. Genau eine Woche nachdem sich der junge Mann, gerade einmal 24 Jahre alt, am Sonnabend, dem 20. September, in Berlin das Leben genommen hatte, wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in seiner Heimatstadt Mainz nur wenige Tage später zu Grabe getragen. Der Beerdigung wohnten von den „Darmstädter Sieben“ Christiansen und Behrens bei, hieß es in der zeitgenössischen Presse.

Patriz Huber gehörte 1899 zur ersten Generation, die Großherzog Ernst Ludwig in seine frisch gegründete Darmstädter Künstlerkolonie berief. Er entwarf Schmuck und Gebrauchskunst, überzeugte besonders aber als Möbelgestalter und Innenarchitekt. Er gehörte zu den überraschenden Entdeckungen der so aufsehenerregenden wie innovativen 1. Ausstellung der Künstlerkolonie von 1901. Nicht wenigen galt er als ein Künstler, der das Potential hatte ein zweiter Henry van de Velde zu werden.

Anlässlich des 125jährigen Jubiläums in diesem Jahr stellte Petra Wochnik, Vorsitzende der Freunde der Mathildenhöhe, am 24. April im Haus der Geschichte am Karolinenplatz in Darmstadt den bisher eher selten beachteten Künstler vor und legte den Schwerpunkt auf sein überaus dramatisches Ende. Viel Spannung bot der Stoff, den sie bei ihrer Recherche in der Staatsbibliothek zu Berlin in zahlreichen historischen Zeitungsartikeln aufgespürt hatte. Denn der Selbstmord Patriz Hubers war nur der Anfang einer viel größeren persönlichen Tragödie, die ein heftiges Nachbeben in der Berliner und Darmstädter Presse auslöste und weite überregionale Beachtung fand.

„Er hätte in Darmstadt bleiben sollen“, befand der Feuilletonist einer großen Berliner Zeitung damals. Warum blieb er nicht? Auch diese Frage wurde mit Blick auf die bekannt angespannte Gruppendynamik innerhalb der Künstlerkolonie und ihrer Protagonisten diskutiert.

Patriz Huber (23) – Portrait und Katalog, 1901

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