Das Große Haus Glückert ist gelebter Denkmalschutz. Vor allen Dingen seitdem die Experten im Ausstellungkatalog von 1908 atemberaubende Entdeckungen machten. Für das Schlafzimmer im Obergeschoss ein ausgesprochener Glücksfall: War doch auf einer zeitgenössischen Aufnahme die Raumausstattung inklusive der Wanddekoration von Albin Müller im Original zu sehen.


Bis dahin war man auf Untersuchungen der Wand und mikroskopische Analysen im Labor angewiesen. Man hatte auch bereits Ornament-Fragmente im Zimmer entdeckt und konnte deren (im Laufe der Jahre zunehmend oxidierten und dunkler gewordenen) Farbtöne zuordnen. Doch die genaue Gestaltung und der Verlauf des Ornamentbandes im Raum, das war bis dahin ein großes Geheimnis.
Mit dem Schwarz-Weiß-Bild war es gelüftet, einer Rekonstruktion stand nichts mehr im Wege. Dazu wurde eine Metallschablone gelasert, mit der passgenau das originalgetreue Motiv fortlaufend an die Wand gebracht werden konnte. Eine besondere Herausforderung stellte das großformatige Wandornament dar, das sich – bei genauem Hinsehen – einst an der Wand hinter dem vertäfelten Kopfende des Doppelbetts erhob. Dieses musste von Hand gemalt werden.



Dank der finanziellen Unterstützung der Freunde der Mathildenhöhe konnte das Projekt im Sommer 2025 zügig umgesetzt werden. Dr. Jennifer Verhoeven, Landesamt für Denkmalpflege und Koordinatorin der UNESCO-Welterbestätten Hessen, und Olaf Köhler, Leiter des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege in Darmstadt, freuten sich sehr, dass sie dem großen Puzzle, das die größte der UNESCO-Villen auf dem Welterbegelände mit ihren vielen Zimmern darstellt, wieder ein kleines Stück Erkenntnis und Anschauung hinzufügen konnten.
